Die Fürst zu Bentheimsche Musikaliensammlung Burgsteinfurt

Diese Musikaliensammlung - seit 1964 als Leihgabe in der Bibliothek - enthält neben 734 Handschriften 1152 gedruckte Musikalien, fast 500 Textbücher (Opernlibretti und Theatertexte) und einige theoretische Schriften (musikalische Zeitschriften und Verlagskataloge). Aufgebaut vornehmlich durch die Reichsgrafen Karl von Bentheim Steinfurt (reg. 1750-1780) und Ludwig von Bentheim Steinfurt (reg. 1780-1817, seit 1817 preußischer Fürst), ist sie geprägt durch deren persönliche Vorlieben für Musik "nach dem neuen Geschmack". Nach 1817 hat die Sammlung keine systematische Ergänzung mehr gefunden. Erworben wurden die Noten auf Reisen, die fast ausschließlich dem Besuch von Opern und Konzerten oder von Musikverlegern galten. Größere Sendungen lieferten Pariser Verlage wie Berault oder die Frankfurter Firma Gayl und Hedler.
Für das Burgsteinfurter Musikleben dieser Zeit waren die öffentlichen Konzerte im sogenannten Bagno charakteristisch. Es ist daher viel sinfonische Musik, Musik für Bläser und Konzerte für die vom Grafen Ludwig gespielte Flöte überliefert.
Erstaunlich groß ist der Bestand an französischen Sinfonien des 18. Jahrhunderts, wobei sich in Burgsteinfurt viele Werke als Unikate erhalten haben (G. Cambini, F. Devienne, F.-C. Gossec, E. Ozi). Es finden sich zahlreiche Instrumentalwerke, so von den Mannheimer Komponisten E. Eichner und Anton und Carl Stamitz, von den Wiener A. Gyrowetz, Haydn, F. A. Hoffmeister, Mozart, J. B. Vanhal und P. Wranizky, außerdem von Johann Christian Bach, Beethoven, Boccherini, R. Kreutzer, I. Pleyel und F. A. Rosetti.

6 Haydn

Joseph Haydn (1732-1809): La Chasse, grand simphonie ... (Sinfonie Nr. 73), Vienne: Torricella, 1782 (Erstausgabe), Titelblatt, Sammlung Burgsteinfurt, Signatur: H-Ay 34.

Vokalmusik bedeutet in Burgsteinfurt vor allem Opernmusik. Arien oder ganze Opern oder Klavierauszüge sind vorhanden, neben Mozart und Gyrowetz vor allem von Franzosen wie A. Boieldieu, N. Isouard und É. N. Méhul, später verstärkt von Neapolitanern wie D. Cimarosa, F. Paer, G. Paisello und Rossini.
Viele der in Burgsteinfurt aufgeführten Instrumentalwerke und eine große Zahl der Libretti weisen Randbemerkungen von der Hand des Grafen Ludwig auf und kennzeichnen die Burgsteinfurter Sammlung als eine gewachsene praxisorientierte Musikbibliothek.

Nachweis

Die Musikaliensammlung Burgsteinfurt ist vollständig durch einen alphabetischen und einen systematischen Zettelkatalog erschlossen, die im Handschriftenlesesaal genutzt werden können. Im Répertoire International des Sources Musicales (RISM) ist diese Sammlung ebenfalls nachgewiesen, und zwar die Musikdrucke in RISM Reihe A/I (Katalogsaal, Signatur: MUS 0.0:22), die Musikhandschriften in RISM Reihe A/II (Zugriff im Netz).

Benutzung

Alle Bestände der Musiksammlung können nach vorheriger Absprache (telefonisch 0251/83-24072 oder per Bestellformular) im Handschriftenlesesaal genutzt oder als kostenpflichtige Reproduktion (Auftragsformular) bestellt werden.

Ansprechpartner

Burkard Rosenberger (Tel. 0251/83-25521; E-Mail)
Dr. Holger Flachmann (1.Vertretung; Tel. 0251/83-24061)
Reinhard Feldmann (2.Vertretung; Tel. 0251/83-24081)

Literatur

  • Erich Thurmann: Betreuung und Erschließung westfälischer Musikaliensammlungen in der Universitätsbibliothek Münster. - In: Bibliothek in vier Jahrhunderten. Jesuitenbibliothek - Bibliotheca Paulina - Universitätsbibliothek in Münster 1588-1988. Münster 1988. S. 297-316;
    Standort: Handschriftenlesesaal H WES 2.61:654, Lesesaal L WES 2.72 MUS 20
  • Musik an westfälischen Adelshöfen. Seltene und schöne Notendrucke aus den Schlössern Rheda und Burgsteinfurt. Ausstellung. Katalog: Albert Ernst. Mit einem Beitrag von Erich Thurmann. Münster 1987.
    ULB-Standort: AB 19997 (bestellbar).

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