Historische Deutsche Ostgebiete

Bestände dieses Sammelgebietes werden im Wesentlichen seit 1946 erworben. Die Sammlung umfasst heute mehr als 40.000 Bände, hinzu kommen zahlreiche Autographen, neuzeitliche Handschriften (zum Beispiel die sogenannte "Reichel'sche Genealogie" mit den Stammbäumen von etwa 500 Breslauer Familien und dem Gästebuch der Marienburg der Jahre 1914 bis 1945), Karten und Ortsansichten. Etwa 40 Prozent des Bestandes bezieht sich auf Ost- und Westpreussen sowie auf Schlesien. Inhaltlich umfasst die Sammlung alle Gebiete der Landeskunde, Geschichte, Kultur, Literatur, Volkskunde, Kunst usw.
Ergänzt wird der bibliothekseigene Bestand durch zwei Spezialsammlungen: Die Prussica-Sammlung Trunz und die Silesiaca-Sammlung Samulski. Letztere umfasst ca. 1.000 Bände zu Schlesien und den ehemaligen deutschen Ostgebieten aus der Privatbibliothek Robert Samulski. Es gibt keinen Sonderkatalog.

Die Prussica-Sammlung Trunz

Die Prussica-Sammlung Trunz, die 1978 von der Bibliothek erworben wurde, zeichnet sich dadurch aus, dass ihr wesentlicher Grundstock noch in Ostpreußen selbst gelegt worden ist. Er wurde von Landwirtschaftsrat Dr. August Trunz in Allenstein (1875-1963) gesammelt, dessen Interesse im Bereich der politischen Geschichte sowie der Wirtschafts- und Geistesgeschichte seiner ostpreußischen Heimat lag. Heimat war ihm zunächst die Stadt und der Kreis Allenstein, dann die Provinz Ostpreußen, wobei er die Nachbarprovinz Westpreußen und das Baltikum nicht vernachlässigte.

Zum Grundstock der Sammlung zählen zum Beispiel die alten preußischen Chroniken von Kaspar Schütz (1592), Capsar Henneberger (1595), Christoph Hartknoch (1684, mit ihren vorzüglichen Ortsansichten), Lucas David (6 Bände, 1812-1814) und die livländische Chronik von Balthasar Russow (1578).

Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte sein jüngerer Sohn Dr. Hansheinrich Trunz (1908-1994) die Sammlung etwa um das Doppelte und fügte ihr neue Facetten wie Naturgeschichte, Ackerbau und Viehzucht hinzu, und ergänzte sie bis 1990 laufend. Eine Reihe von Bänden stammt zudem aus der Privatbibliothek des älteren Sohnes, des Germanisten Prof. Dr. Erich Trunz (zum Beispiel die Agnes- Miegel-Sammlung).

Hansheinrich Trunz beschränkte seine Sammlung nicht auf Drucke von vor 1945, sondern nahm genauso Nachkriegsschrifttum bis zu aktuellen Neuerscheinungen auf. Dabei berücksichtigte er sowohl die Produktion kommerzieller Verlage als auch die oft an entlegener Stelle im Selbstverlag erschienenen Titel, wie Heimatchroniken und Gedenkblätter zu Jubiläen von Gemeinden und Personen.

Inhaltlich erstreckt sich die Sammlung heute auf alle Gebiete, vor allem auf die allgemeine Geschichte, die Orts- und Personen- bzw. Familiengeschichte, aber auch auf Kunst, Volkskunde, Sprachentwicklung, Naturbeschreibung und Landwirtschaft. Die Sammlung dokumentiert ein besonderes Interesse von Hansheinrich Trunz an der Geschichte der Pferdezucht und den Papiermühlen des Landes.

Die Prussica-Sammlung Trunz ist im Sondermagazin geschlossen aufgestellt.

Ein gedruckter Katalog zählt über 2000 Titel (ohne Angabe der ULB-Signaturen).
Standort: Katalogsaal; Signatur: K ALL 7.2 OPR 40).


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