Nk – Handschriftensammlung aus Schloss Nordkirchen

Aus der Zahl der neuzeitlichen Handschriften ist besonders die Handschriftensammlung aus Schloss Nordkirchen aus dem Besitz der für die Geschichte Westfalens so bedeutsamen Familien Fürstenberg und Plettenberg aus dem nahegelegenen Schloss Nordkirchen zu erwähnen. Sie ist im Wesentlichen von dem Fürstbischof von Paderborn und Münster Ferdinand von Fürstenberg (1626–1683) und seinen beiden Neffen Christian Theodor (Domherr in Hildesheim und Münster gest. zw. 1693 und 1698) und Friedrich Christian von Plettenberg (1644–1706, Fürstbischof von Münster 1688–1706) zusammengetragen worden. Mit dieser Sammlung kamen wichtige Quellen zur westfälischen Kultur-, Geistes-, Kirchen- und Familiengeschichte aus dem 17. und 18. Jahrhundert in die Bibliothek.

Unter allen, die zum Aufbau der Nordkirchener Handschriftensammlung beigetragen haben, ist Ferdinand von Fürstenberg die überragende Erscheinung. Als neulateinischer Dichter und als Mäzen von Wissenschaft und Dichtung ist er weit über die Grenzen Westfalens bekannt geworden. Aufgrund seiner Reisen, seines neunjährigen Romaufenthaltes, seiner Freundschaft mit ungezählten Geistesgrößen des damaligen Europas und seiner intensiven historischen Studien vermittelt die große Zahl der von ihm stammenden Manuskripte ein eindrucksvolles und getreues Bild vom geistigen Leben seiner Zeit nicht nur in Westfalen, sondern als Folge seiner engen Verbindung zum päpstlichen Hof Alexanders VII. und zu dessen gelehrtem Freundeskreis auch in Italien, Frankreich und den Niederlanden. Neben Dokumenten seines persönlichen Lebens und seiner Verbindung zum römischen Kreis um Papst Alexander VII. und zu deutschen, französischen und niederländischen Gelehrten machen seine historischen Arbeiten zur Geschichte des Paderborner Bistums und anderes literarisch- historisches Quellematerial, das Fürstenberg zum Teil in den Vatikanischen Archiven hatte abschreiben lassen, die Bedeutung seiner Sammlung aus. Es sind darunter unveröffentlichte Manuskripte von Nikolaus Schaten S. J. zur westfälischen Geschichte, zur Geschichte des Münsterschen Bischofs Christoph Bernhard von Galen, überhaupt zur Geschichte des Bistums Münster, des Weiteren die noch nicht publizierte „Descriptio sive notitia Westphaliae" des Bernhard von Mallinckrodt (Nk 73) und das „Speculum Westphaliae" des Heinrich von Hoevel (Nk 75), außerdem anonyme Werke und Bischofchroniken. Außerdem ist eine Abschrift von Friedrich Spees "Trutznachtigall" (Nk 91) erwähnenswert, die noch vor der ersten Drucklegung des Textes entstanden ist.

Literatur:

Haller, Bertram: Die Sammlung Nordkirchen der Universitäts- und Landesbibliothek Münster : Handschriften, Autographen und Drucke der Familien Fürstenberg und Plettenberg aus Schloss Nordkirchen. – Münster : Rhema, 2010
Standort: HLS ALL 0.4 MUS 31