Das Computergenie Alan Turing

Alan Mathison Turing, On computable numbers, with an application to the Entscheidungsproblem. Received 28 May, 1936. – Read 12 November, 1936, London 1937.
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Alan Turing wurde am 23. Juni 1912 als Sohn eines britischen Beamten in London geboren. Erst nach seinem Tod 1957 erreichte er – in erster Linie durch seine Arbeiten zur Begründung der Theoretischen Informatik und der künstlichen Intelligenz – hohes Ansehen in der Fachwelt. Während des zweiten Weltkriegs half Turing bei der Entschlüsselung des deutschen U-Boot Funkverkehrs, indem er den Code der Schlüsselmaschine "Enigma" zu dekodieren half. Turing, der aufgrund seiner Homosexualität verurteilt und zu einer Hormontherapie gezwungen wurde, nahm sich am 7. Juni 1957 – vermutlich in Folge einer Depression – das Leben.

Der Computer-Pionier Alan Turing

Durch Prof. Dr. Achim Clausing vom Institut für Informatik der Westfälischen-Wilhelms Universität Münster wurde bekannt, dass die Hochschule einige der wenigen persönlichen Hinterlassenschaften des Mathematikers besitzt. Clausing entdeckte zwei Originaldrucke Turings, die über Jahrzehnte in einem Keller des Instituts lagerten und übergab sie der ULB zur sicheren Aufbewahrung.

Titelblatt On Computable Numbers
Titelblatt On Computable Numbers mit Widmung Turings
© ULB

On Computable Numbers with an Application to the Entscheidungsproblem (mit der Idee der universalen Madchine, 1936) ist eine der in Münster wiederentdeckten Veröffentlichungen Turings und gehört zu den bedeutendsten Veröffentlichungen der Informatik. Besonders im Bereich der Computerentwicklung und Informatik machte sich Turing verdient. In der für diesen Zweig der Mathematik grundlegenden Arbeit On Computable Numbers entwickelte Turing das Konzept einer Maschine, die die Lösung jeder Aufgabe errechnen kann, sofern diese prinzipiell berechenbar ist. Damit habe er das heute allgemeingültige Prinzip der Universalität von Computern vorweggenommen – zu einer Zeit als es noch gar keine Computer gab (Clausing).

Ähnlich bedeutsam ist die Arbeit Computing Machinery and Intelligence aus dem Jahr 1950. Das ist die Geburtsstunde der Künstlichen Intelligenz (Jahre bevor es diese Bezeichnung gab) und in dieser Arbeit findet sich die heute nach Turing benannte Definition einer "intelligenten" Maschine (der Turing-Test).

Das Münsteraner Exemplar wird durch eine persönliche Widmung Turings einzigartig. Beide Arbeiten gehören zu den bedeutendsten Veröffentlichungen der Informatik und wurden im Nachlass von Heinrich Scholz entdeckt. Zu vermuten ist, dass Heinrich Scholz – seinerzeit Gründer des ersten Lehrstuhls für mathematische Logik an der WWU – durch einen Artikel in einer Zeitschrift auf Turings Arbeit aufmerksam wurde und den Briten um ein Exemplar seiner Arbeit bat.