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WDR ZeitZeichen zur Pariser Kommune

Logo WDR bei Wikimedia Commons„Die Revolte der Paris­er Kom­mune wird von franzö­sis­chen Trup­pen zer­schla­gen. Trotz­dem gilt der Auf­s­tand als Vor­bild für die sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tio­nen des 20. Jahrhun­derts.
„Das Knallen der Maschi­nen­waf­fen und der Hin­rich­tun­gen hallte noch in den anliegen­den Straßen wider“, notiert die Schrift­stel­lerin Louise Colet. „Viele Frauen, so unschuldig wie ich, wur­den an diesem Tag willkür­lich erschossen, nur weil sie verdächtig aus­sa­hen.“
Louise Colet ist Augen­zeu­g­in, wie am 28. Mai 1871 die Rebel­lion der soge­nan­nten Paris­er Kom­mune von Regierungstrup­pen niedergeschla­gen wird.

Kon­ser­v­a­tive Zen­tral­regierung herrscht
Die Vorgeschichte: Immer wieder ver­suchen Fran­zosen seit der Rev­o­lu­tion von 1789, deren soziale und poli­tis­che Ziele zu ver­wirk­lichen – auch 1830 und 1848 mit weit­eren Rev­o­lu­tio­nen. 1871 gibt es zwar nach drei Köni­gen und zwei Kaisern erneut eine Repub­lik, aber sie wird von Roy­al­is­ten beherrscht, die vom königlichen Ver­sailles aus regieren.
Nach dem Deutsch-Franzö­sis­chen Krieg wollen kon­ser­v­a­tive Poli­tik­er einen Waf­fen­still­stand. Paris ist dage­gen. Die Stadt ist monate­lang belagert wor­den und hat gehungert.

Mehrheit für Kom­mune
Als die Regierungstrup­pen am 18. März den Paris­ern ihre selb­st finanzierten Kanonen abnehmen wollen, kommt es zum Auf­s­tand. Die Bürg­er­wehr, die soge­nan­nte Nation­al­gar­de, erschießt zwei Gen­eräle.
Das Zen­tralkomi­tee der Garde set­zt Stad­tratswahlen an. Das Ergeb­nis: Es gibt etwa 190.000 Anhänger der Kom­mune und rund 40.000 Geg­n­er. Die Unter­stützung kommt aus den Arbeit­er­vierteln.

Regierung greift an
Die Kom­mune zahlt den Gardis­ten den Sold, den die Regierung gestrichen hat. Mieten und Schuldzin­sen wer­den storniert. Die Lei­hanstalt gibt Objek­te zurück — oft Klei­dungsstücke und Haus­rat.
Die Tren­nung von Kirche und Staat, kosten­los­er Unter­richt und die Anerken­nung der freien Ehe wer­den ange­ord­net. Doch schon am 2. April, eine Woche nach der Wahl, greift die Regierung an. Sie will keine Demokratie im Stad­trat.

Die „Ver­sail­lais“ machen keine Gefan­genen
Die 900 Bar­rikaden der Gardis­ten wer­den gestürmt. Die „Ver­sail­lais“ machen keine Gefan­genen, darum richtet die Kom­mune Geiseln hin. Etwa 70 Polizis­ten und Geistliche wer­den erschossen, darunter der Paris­er Erzbischof.
Doch die Geg­n­er der Kom­mune lassen sich nicht stop­pen. Die Opfer der Mas­sak­er wer­den auf 15.000 bis 20.000 geschätzt. Nach 72 Tagen wer­den 40.000 Men­schen inhaftiert, darunter mehr als 1.000 Frauen und 600 Kinder unter 16 Jahren.
Kurz darauf veröf­fentlicht Karl Marx seine Ein­schätzung: „Sie war nicht eine Rev­o­lu­tion, um die Staats­macht von ein­er Frak­tion der herrschen­den Klassen an die andere zu über­tra­gen, son­dern eine Rev­o­lu­tion, um diese abscheuliche Mas­chine der Klassen­herrschaft selb­st zu zer­brechen.““
(WDR, Sabine Mann, Gesa Rünker)

Sie kön­nen die Sendung, die am 28.5.2021 in der Rei­he „ZeitZe­ichen“ lief, über die Seite des WDR nach­hören oder als Audio­datei herun­ter­laden.

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