Illustration astronomische Uhr
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Historische Hilfswissenschaften

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Um historische Quellen lesen, verstehen und interpretieren zu können, sind verschiedene Grundkenntnisse erforderlich. Am Beispiel der Bearbeitung einer Urkunde wird deutlich, dass nicht nur die damalige Schrift und Sprache beherrscht werden muss, sondern auch Kenntnisse in der Siegelkunde, der Paläographie und der Chronologie notwendig sind. Diese werden als Hilfswissenschaften bezeichnet.

Besonders bedeutsam sind die Hilfswissenschaften für die Quellen der Antike, des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (wichtigste Quellen: Urkunden, Akten, Münzen, Siegel und Wappen). Für die Neueste Geschichte bzw. für die Zeitgeschichte haben die Hilfswissenschaften einen weniger hohen Stellenwert.

Eine Auswahl Historischer Hilfswissenschaften:

  • die Chronologie (Zeitrechnungslehre)
    beschreibt die Zeitmessung, Zeitrechnung und Datierung in ihren unterschiedlichen historischen und regionalen Formen
  • die Epigraphik (Inschriftenkunde)
    erforscht die Beschriftungen von verschiedenen Materialien wie Leder, Ton, Glas u.a.
  • die Genealogie (Erforschung der Abstammungs- und Verwandtschaftsverhältnisse)
    erfasst Verwandtschaftsverhältnisse durch Nachfahren-, Vorfahren- und Stammtafeln
  • die Paläographie (Schriftenkunde)
    lehrt alte Schriften zu lesen, das Alter sowie den Ursprungsort der Schrift zu bestimmen und erforscht Schreib- und Beschreibstoffe.
  • die Diplomatik (Urkundenlehre)
    ist die kritische Erforschung der Urkundenbestände und hilft, die Echtheit von Urkunden zu beurteilen. 
  • die Sphragistik (Siegelkunde)
    untersucht die Echtheit von Siegeln und analysiert die Gestalt, Aussagekraft und die Art der Anbringung von Siegeln.
  • die Aktenkunde (Archivalienlehre)
    beschäftigt sich mit dem Schriftgut (öffentlicher) Verwaltungen und dem der schriftlichen Geschäftsführung.
  • die Heraldik (Wappenkunde)
    erfasst Informationen über Adelsfamilien, indem Form und Gebrauch von Wappen ergründet werden.
  • die Numismatik (Münzkunde und Geldgeschichte)
    Neben der Beschreibung und Auswertung von Münzfunden werden Erkenntnisse auf die Wirtschaftsgeschichte gewonnen.
  • die Historische Geographie
    rekonstruiert u.a. vergangene Landschaften
  • die Historische Fachinformatik
    erleichtert die Erfassung, Erschließung und Auswertung von Quellen durch Computerprogramme

 


Weiterführende Literatur

Kümper, Hiram: Materialwissenschaft Mediävistik: eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften. Schöningh, Paderborn 2014. ISBN: 978-3-8252-8605-7. Signatur: HIS 1:Kue (Lehrbuch-Magazin)

Rohr, Christian: Historische Hilfswissenschaften: eine Einführung. Böhlau, Wien 2015. ISBN: 978-3-8252-3755-4. Signatur: HIS 1:Roh (Lehrbuch-Magazin)

Eine Auswahl wichtiger Hilfsmittel

Das Historische Seminar der Universität Münster stellt eine Übersicht mit Einführungen, Übungen und Hilfsmitteln zu den Historischen Hilfswissenschaften zur Verfügung. Sie können sich jeweils zu den einzelnen Hilfswissenschaften separate Linklisten ansehen:  Proseminar - Hilfswissenschaften

Hier finden Sie ergänzend zur Aufstellung des Historischen Seminars eine fachliche Auswahl wichtiger Hilfsmittel, die bei der kritischen Bearbeitung von gedruckten bzw. ungedruckten Quellen nützlich sein können: