Musikerfamilie Romberg

Die Künstlerfamilie Romberg prägte im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert über viele Jahrzehnte das Musikleben der Stadt Münster. Zu ihren bedeutendsten Vertretern gehören die beiden Vettern Andreas (1767–1821) und Bernhard Romberg (1767–1841).

Nachfahrentafel der musikalischen Mitglieder der Familie Romberg (Zusammenstellung nach M. Blindow, Die Musikerfamilie Romberg, S. 184f):

Romberg-Andreas
© ULB

Andreas Romberg

* 27. April 1767 in Vechta

† 10. November 1821 in Gotha

Andreas und sein Cousin Bernhard Romberg gehören zu den bedeutendsten Vertretern der Musiker- und Künstlerfamilie Romberg. Gemeinsam mit Bernhard bekam Andreas in Münster seinen ersten Geigenunterricht und unternahm mit ihm ab 1774 (mit sieben Jahren!) ausgedehnte internationale Konzertreisen, die sie trotz diverser Festanstellungen bis 1801 fortsetzten, sich dadurch einen internationalen Ruf als Virtuosen erwarben und sich dabei mit den großen Meistern ihrer Zeit vernetzten, u. a. mit Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn.

1782 wurde Andreas in die fürstbischöfliche Hofkapelle Münster berufen, 1790 in die Bonner kurfürstliche Hofkapelle. Nachdem sich die Bonner Hofkapelle 1793 infolge politischer Unruhen durch die Französische Revolution aufgelöst hatte, siedelten die beiden Rombergs nach Hamburg um; hier wurde Andreas (anders als Bernhard) langfristig sesshaft. So heiratete er 1801 die Hamburgerin Anna Magdalena Ramcke und feierte in Hamburg auch als Komponist Erfolge (u.a. verlieh ihm die Universität Kiel 1809 für sein Lied von der Glocke die Ehrendoktorwürde). In der Folgezeit verschlechterten sich seine wirtschaftlichen Verhältnisse, und so beerbte er Louis Spohr 1815 als Hofkapellmeister in Gotha. Dort starb Andreas Romberg 1821, offenbar stark durch Krankheiten gezeichnet.

Andreas Romberg entwickelte sich von einem auch international anerkannten Geigenvirtuosen hin zu einem noch bedeutenderen Komponisten seiner Zeit. Seine populärsten Stücke wurden jedoch nicht diejenigen für sein eigenes Instrument bzw. für Instrumentalmusik, sondern es waren seine Vokalwerke, insbesondere die Vertonung des 110. Psalms, das Werk Der Erbarmer oder das Lied von der Glocke, die einen vernehmbare Breitenwirkung erzielten. Seit den 1990er Jahren erfahren die Werke der beiden Rombergs eine verstärkte Wiederentdeckung – sowohl auf Tonträgern als auch mit Blick auf die Aufnahme in Konzertprogramme. So wurden zu Ehren Andreas Rombergs zahlreiche Straßen benannt, wie z.B. in Gotha und Vechta. In letztgenannter Stadt wurde 1995 die Andreas-Romberg-Gesellschaft e. V. gegründet.

Romberg-bernhard B
© ULB

Bernhard Romberg

* 12. November 1767 in Dinklage

† 13. August 1841 in Hamburg

Bis 1795 verlief das Leben Bernhards nahezu parallel zu dem seines Cousins Andreas, wobei Bernhard als Cellist auf sich aufmerksam machte. Auf gemeinsamen Konzertreisen mit Andreas knüpfte er Kontakte u. a. zu Ludwig van Beethoven. 1798 führte er gemeinsam mit Beethoven dessen Cellosonaten op. 5 auf und lernte (diesmal ohne Andreas) auf einer großen Konzertreise nach England, Portugal und Spanien Luigi Boccherini kennen. Er heiratete 1799 die Schwester der späteren Frau Andreas Rombergs, sodass die beiden Cousins familiär noch enger zusammenwuchsen. Während Andreas in Hamburg und Gotha als relativ ortsgebunden bezeichnet werden kann, wechselte Bernhard häufiger den Standort, blieb zunächst in Paris, ging dann zur königlichen Kapelle nach Berlin, wo er – abgesehen von einem längeren Russlandaufenthalt – erst wieder 1820 Berlin Richtung Hamburg verließ, nachdem der König Gasparo Spontini (1774–1851) zum ersten preußischen Generalmusikdirektor berufen hatte. In Hamburg gründete Bernhard Romberg eine Klavierbaufirma und war neben seiner Konzert- und Kompositionstätigkeit auch als erfolgreicher Unternehmer tätig; er starb in Hamburg 1841.

In seiner späteren Lebensphase machte er sich vor allem als Instrumentalpädagoge einen Namen. Als geradezu legendär gilt seine Technik, die er in seiner weltberühmten „Violoncell-Schule“ im Jahre 1840 veröffentlichte. Noch heute wird die Violoncell-Schule im Cellounterricht verwendet.

Angelika Romberg

* 21. Juli 1775 in Münster

† 16. März 1866 in Münster

Angelika Romberg verbrachte den größten Teil ihres Lebens in der westfälische Bistumsstadt. Ihre musikalischen Lehrer waren der Bonner Tenor Ludwig Simonetti im Gesang und der Domorganist Josef Antony bzw. der Kapellmeister Martelli im Klavierspiel. Bereits als 17-Jährige wurde sie 1793 in die Münstersche Hof- und Domkapelle aufgenommen. Auf mehreren Konzertreisen begleitete sie ihren Vater Anton und ihren Onkel Heinrich. Vor allem als gefeierte Sopranistin prägte sie das Münsteraner Musikleben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entscheidend mit. 1836 ging sie mit ihrem Ehemann, dem Literaturprofessor Johann Christoph Schlüter, nach Bonn und kehrte 1841 nach dem Tod ihres Mannes wieder nach Münster zurück.

Anton Romberg d. Ä.

* 6. März 1742 in Münster

† 14. Dezember 1814 in Münster

Von seinem Vater Balthasar veranlasst wurde Anton Romberg zum Militärmusiker ausgebildet und zeichnete sich insbesondere im Fagottspiel aus. Er lebte zumeist in Dinklage, wo er wohl auch als Musiklehrer der Familie der Grafen von Galen wirkte. Nach einer Zeit in Vechta verlagerte er – zusammen mit seinem Bruder Heinrich – seinen Wohnsitz nach Münster und fand hier ein kulturell-musikalisch äußerst aktives und fruchtbares Umfeld vor. Er wurde 1773 in die Münstersche Hofkapelle aufgenommen, in der er für lange Jahre zu einer festen Größe wurde.

Anton Romberg d. J.

* 6. März 1771 in Münster

† 1842 in München

Anton Romberg, Schüler sowohl seines Vaters Anton Romberg als auch seines Onkels Heinrich, war von 1791 bis 1811 als Fagottist und Violinist Mitglied der Hof- und Domkapelle in Münster, bevor er zum Wiener Hof des Fürsten Esterhazy wechselte. Weitere Stationen waren 1815 die königlichen Kapellen in Stuttgart und schließlich 1823 in München. Als internationaler Konzertvirtuose anerkannt, musste er seine musikalische Tätigkeit infolge eines Schlaganfalls 1832 aufgeben.

Balthasar Romberg

* 1721 in Hessen-Kassel

† 8. August 1784 in Münster

Balthasar Romberg gilt als der älteste musikalische Vertreter der Romberg-Dynastie. Als Soldat war er zunächst in Hessen-Kassel, dann in Warendorf, Münster, Dülmen, Vechta und Elverfeldt stationiert. Hier wird er 1759 als Regimentstambour genannt. Balthasar lebte anschließend mit seiner Frau in Warendorf und kehrte nach deren Tod 1780 wieder nach Münster zurück, wo er in der Nähe seiner Söhne Anton und Heinrich bis zu seinem Tode blieb.

Bernhard Hildebrand-Romberg

* 1833 in Berlin

† 13. September 1858 vor Neufundland

Der letzte bekannte Musiker der Familie Romberg lebte nur kurz und war der Sohn von Bernhardine Romberg. Nach seinem berühmten Großvater benannt war er wie jener Cellist. Am 13. September 1858 fiel Bernhard Hildebrand-Romberg der Brandkatastrophe des Hamburger Schiffes Austria vor Neufundland zum Opfer.

Bernhardine Romberg

* 14. Dezember 1803 in Hamburg

† 26. April 1878 in Hamburg

Als Pianistin wurde Bernhardine von ihrem Vater Bernhard Romberg musikalisch sehr gefördert. Als Altistin feierte sie große Erfolge in Hamburg sowie auf Konzertreisen mit ihrem Vater und ihrem Bruder Carl. Bernhardine heiratete 1826 den späteren Berliner Stadtrat Gustav Hildebrand.

Carl Romberg

* 1811 in Moskau

† 1897 in Hamburg

Geboren wurde Carl Romberg in Moskau während einer Konzertreise seines Vaters Bernhard. Seinen ersten Cellounterricht erhielt er zunächst von diesem, später von Josef Merck, Solocellist der Wiener Hofoper. Mit seiner Schwester Bernhardine und seinem Vater trat Carl auf Konzertreisen in Berlin und Prag auf. Zwischen 1839 und 1842 war er in Petersburg am deutschen Theater sowie in Wien tätig. Offenbar psychisch krank verlebte er seine letzten Jahre in einer Anstalt für Geisteskranke in der Nähe von Hamburg.

Cyprian Romberg

* 28. Oktober 1807 in Hamburg

† 14. Oktober 1865 in Hamburg

Cyprian (auch: Cipriano) Romberg, Sohn von Andreas Romberg, war Cellist und Komponist. Von seinem berühmten Onkel (2. Grades) Bernhard Romberg wurde er im Cellospiel ausgebildet und wirkte zunächst als Kammervirtuose in Sankt Petersburg. Cyprian Romberg war in den 1830er Jahren als Virtuose auf Konzertreisen durch ganz Europa unterwegs, wovon Einträge in der zeitgenössischen musikalischen Presse beredtes Zeugnis geben. Unter Vermischtes heißt es etwa in der Ausgabe der Neuen Zeitschrift für Musik vom 10. Februar 1835: „Hr. Cyprian Romberg, Neffe von Bernhard Romberg, reist von Leipzig über Dresden, Prag und Wien nach Paris“. In der Bohemia, ein[em] Unterhaltungsblatt wird Romberg trotz seiner jungen Jahre als Hoffnungsträger hochgejubelt. Hier heißt es in der Ausgabe vom 3. April 1835 in der Rubrik Theater und geselliges Leben: „Auf das Concert von Herrn Kral, folgte jenes des auszeichneten Tonkünstlers Herrn Cyprian Romberg. Sein elegantes, geistreiches und gefühlvolles Spiel fand einen ebenso entschiedenen Beifall, als seine Kompositionen. Er scheint sein komponierendes Talent vom Vater, und sein executierendes vom Oheim geerbt zu haben. Ein junger Mann von 25 Jahren und ganz für die Kunst begeistert, wird Herr Romberg das musikalische Kleeblatt dieses Namens bald ausfüllen, und überall, wo er sich hören lässt, den Namen eines hochachtbaren Virtuosen hinterlassen.“ Auch wenn Cyprian Romberg diesen hochgesteckten Erwartungen nicht wirklich hat entsprechen können, ist er als Nachfolger seines Vaters Andreas und seines Onkels Bernhard in die Musikgeschichte eingegangen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Cyprian zurückgezogen in Hamburg.

Heinrich Romberg

* 8. August 1745 in Münster

† 15. November 1819 in Münster

Gemeinsam mit seinem Bruder Bernhard Anton bekam auch Heinrich eine solide musikalische Ausbildung im Rahmen einer Militärmusikerlaufbahn. Als Klarinettist und Orchesterleiter machte er sich einen Namen und lebte zunächst in Vechta, die als Kleinstadt zum Erzbistum Münster gehörte. Nach 1769 kehrte er mit seinem Bruder und seinem Vater Balthasar wieder nach Münster zurück und verbrachte dort den Rest seines Lebens als Mitglied (1771) und später sogar als Musikdirektor der Münsterschen Hofkapelle.

Heinrich Maria Romberg

* 4. April 1802 in Paris

† 2. Mai 1859 in Hamburg

Als Sohn von Andreas Romberg und Bruder von Cyprian Romberg ist Heinrich Maria Romberg ein weiterer wichtiger Vertreter der Romberg-Dynastie. Er reüssierte als Geiger und Dirigent; seit 1827 war er Konzertmeister am Deutschen Theater in Sankt Petersburg. Heinrich Maria Romberg scheute sich nicht, offene Worte über Kollegen auszusprechen. So bedachte er den 1838 in Sankt Petersburg gastierenden, später berühmt gewordenen norwegischen Geiger Ole Bull mit den Worten: „Bull ist ein Scharlatan, eine schlechte Imitation von Paganini“ (vgl. Linge, Ola: Ole Bull, Oslo 1953, S. 102). Heinrich Maria Romberg hat einige Kompositionen überwiegend mit dem Schwerpunkt auf seinem Hauptinstrument, der Violine, hinterlassen. In der ULB Münster sind die Violinduos op. 8 als gedruckte Stimmen (bei Simrock in Bonn, ca. 1830) überliefert.

Johann Balthasar Romberg

* 1774 in Münster

† 7. Juli 1793 in Münster

Schon mit jungen Jahren wurde Johann Balthasar Romberg, jüngerer Bruder des berühmten Andreas Romberg, als Cellist in die Münstersche Hof- und Domkapelle aufgenommen, starb jedoch schon zwei Jahre später mit nur 19 Jahren.

Theresia Romberg

* 18. Oktober 1778 in Münster

† 5. Februar 1847 in Münster

Ihre musikalische Ausbildung erhielt Theresia gemeinsam mit ihrer drei Jahre älteren Cousine Angelika Romberg. Als besonders talentierte Altistin und Pianistin wurde sie schon mit 14 Jahren in die Münstersche Hof- und Domkapelle aufgenommen. Ab 1810 lebte sie einige Jahre bei ihrem Bruder Andreas in Hamburg, kehrte jedoch 1816/1817 wieder nach Münster zurück.

Literatur

Schäfer, Herbert: Bernhard Romberg: sein Leben und Wirken; ein Beitrag zur Geschichte des Violoncells. Münster 1931.

Stephenson, Kurt: Andreas Romberg. Ein Beitrag zur Hamburger Musikgeschichte (= Veröffentlichungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 11). Hamburg 1938.

Fritz, Rebekka / Rosenberger, Burkard (Hrsg.): „Eine liebenswürdige Künstlerfamilie“. Die Familie Romberg zwischen Münsterscher Hofkapelle und internationaler Virtuosenkarriere, Ausstellungskatalog. Münster 2003.

Blindow, Martin: Die Musikerfamilie Romberg. Münsters Musikleben zwischen Klassik und Frühromantik (= Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv Münster, Bd. 10). Münster 2010.

Blindow, Martin: Bernhard Romberg (1767–1841). Leben und Wirken des großen Violoncello-Virtuosen. München, Salzburg 2013.

Blindow, Martin: Andreas Romberg – Quellen zu seiner Biografie (= Andreas Romberg, Ausgewählte Werke, Serie III Editionen, Bd. 2). Wilhelmshaven 2016.