Und nun vereint an die Arbeit!

Karikaturen Rudolf Schöppers zum Verhältnis der Bundesrepublik Deutschland und der DDR und zur Wiedervereinigung vor 25 Jahren
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Am 3. Oktober 2015 ist es bereits 25 Jahre her, dass die beiden Deutschlands (die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik) zu einem Staat verschmolzen. Wer die Ereignisse um den 3. Oktober 1990 und die Monate und Jahre zuvor miterlebt hat, wird sich wahrscheinlich erinnern, wie die Deutschen ungläubig staunend verfolgten, was damals geschah …

Die beiden deutschen Staaten hatten über 40 Jahre lang nebeneinander, besser noch: gegeneinander, existiert. In diesen Jahren waren die Bürger der DDR quasi von der westlichen Außenwelt abgeschnitten. Deutschland war durch eine Mauer und eine scharf bewachte „Staatsgrenze“ getrennt. In beiden Staaten gab es eine tiefe Sehnsucht nach der sogenannten „Wiedervereinigung“ (obwohl ja die beiden Staaten vorher im eigentlichen Sinne nie vereinigt gewesen waren). Im Westen, in der Bundesrepublik, war die Deutsche Einheit von je her ein sogar in der Präambel des Grundgesetzes verankertes Staatsziel („Wiedervereinigungsgebot“). Im Osten, in der DDR, war die Sehnsucht nach dem vereinten Deutschland eher latent in der Bevölkerung vorhanden, mit den Zielen des sozialistischen Staates aber wohl nicht vereinbar.

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Die DDR legte es in allem darauf an, als selbstständiger Staat von der Völkergemeinschaft anerkannt zu werden, was der Bundesrepublik wiederum ein tiefer Dorn im Auge war, insbesondere nach der Abschottung der DDR durch die Berliner Mauer (13. August 1961) und die nahezu unüberwindbare Staatsgrenze - eine Staatsgrenze, an der „Republikflüchtlinge“ gejagt und wenn nötig erschossen wurden.

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War die Bundesrepublik von vornherein ein souveräner Staat, galt die DDR auch völkerrechtlich zunächst nur als Sowjetisch Besetzte Zone (SBZ), als Mitteldeutschland, oder mit anderen Umschreibungen benanntes Gebilde, das erst im Laufe der Jahre von immer mehr Staaten anerkannt wurde. War es im Westen zunächst undenkbar, der „Ostzone“ in irgendeiner Weise den Status eines souveränen Staates zuzuschreiben, führte die neue Ostpolitik von Willy Brandt und dem erst kürzlich verstorbenen Egon Bahr dazu, dass die starren Gegensätze aufgeweicht wurden.

Dieses kam vor allem den Menschen in der DDR zugute, die nach endlosen Verhandlungen in den Genuss von Lebenserleichterungen kamen, wofür die Bundesrepublik häufig Geld und Kredite geben musste.

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Oft wurde die Bundesrepublik erpresst – „Wenn ihr nicht zahlt, geht es den Bürgern der DDR schlecht.“ – und schikaniert. Die ewig geldknappe DDR sah darin eine willkommene Möglichkeit, sich Devisen zu beschaffen. Vor allem gegen nicht zu knappe Bezahlung durch die Bundesrepublik konnten Versorgungsengpässe gemindert werden, manchmal sprangen auch Reiseerleichterungen für die Westberliner und ihre Besucher bei der Fahrt durch die DDR nach Westen und umgekehrt heraus.

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Die Jahrestage der Staatsgründung und des Mauerbaus waren Festtage für die Staatsführung der DDR.

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Der jährlich von der Bundesregierung im Westen abzugebende „Bericht zur Lage der Nation“ konnte jahrzehntelang nichts anderes vermelden als weitere Grenzbefestigungen und die Zementierung der Teilung Deutschlands durch die DDR.

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Erst mit der neuen Politik der Demokratisierung auch der sozialistischen Staaten durch den Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, die mit den Schlagwörtern Perestroika („Umbau, Umgestaltung, Umstrukturierung“) und Glasnost („Offenheit, Redefreiheit, Informationsfreiheit“) verbunden war, veränderte sich die menschenunwürdige Politik auch der DDR – allerdings nicht so ganz freiwillig.

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Nach und nach begannen im Osten Deutschlands die Bürger sich Luft zu verschaffen. Die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der DDR führten schließlich zum Zusammenbruch des Staates, auch wenn der Machtapparat ihn durch vielerlei Maßnahmen verhindern wollte.

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Aber der Kessel brodelte zu stark, das Volk („Wir sind das Volk!“) war stärker als die Staatsführung.

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Erich Honecker klammerte sich zwar noch an die Macht,

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musste dann letztendlich doch zurücktreten, und Egon Krenz wurde neuer Partei- und Staatschef.

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Der Staat DDR, der sich noch im Oktober 1989 zu seinem 40-jährigen Bestehen selbst gefeiert hatte,

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öffnete am 9. November 1989 die Mauer und gewährte seinen Bürgern Reisefreiheit.

Am 3. Oktober vor 25 Jahren trat dann die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer der Hauptgründe war sicher der wirtschaftliche Niedergang der DDR und die daraus resultierende Unzufriedenheit ihrer Bürger mit der eigenen Staatsführung. In den intensiven Verhandlungen der damaligen Zeit, die zwischen den beiden deutschen Staaten allerdings nur mit der Billigung und dem Wohlwollen der Siegermächte des zweiten Weltkrieges geführt werden konnten,

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wurde nach und nach klar, dass die DDR der Bundesrepublik beitreten würde,

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was große Anstrengungen politischer, administrativer, finanzieller und anderer Art vor allem der Bundesrepublik mit sich bringen würde.

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Auch Münster spielte eine Rolle bei den Vorbereitungen zur Deutschen Einheit. Gespräche zwischen dem sowjetischen Außenminister Edward Schewadnardze und dem deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher fanden symbolträchtig u.a. im historischen Rathaus statt, einer der Stätten des Westfälischen Friedens.

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Natürlich war nach der Wiedervereinigung nicht alles nur eitel Sonnenschein. Die Einheit fordert auch heute noch immer große Anstrengungen („Die Mauer ist bei den Bürgern noch immer im Kopf.“).

Doch die Mauer, das Symbol der Unfreiheit der Bürger der DDR, ist nun Geschichte.

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Für Kabarettisten und Karikaturisten waren die Ereignisse um den 3. Oktober 1990 ein gefundenes Fressen. Schon in den Jahren zuvor waren die Schikanen der DDR, die zähen Verhandlungen der beiden deutschen Staaten, die Veränderung der Ostpolitik Gegenstand von Satire und Karikatur gewesen, dies setzte sich nun mit anderen Vorzeichen fort.

Rudolf Schöpper, der Karikaturist der Westfälischen Nachrichten (und zuvor anderer westfälische Zeitungen), bildet da keine Ausnahme. Auch er hat über die Jahre eine lange Reihe von Zeichnungen zu den innerdeutschen Irrungen und Wirrungen veröffentlicht, in seinen Zeichnungen die deutsche Wiedervereinigung allerdings eher augenzwinkernd als bissig-böse karikiert. Seine Karikaturen sind kritische Zeitzeugnisse und tragen auf ihre Weise zum Verständnis der Ereignisse bei. Allerdings sehen Sie hier nur eine kleine Auswahl.

Die ULB Münster schätzt sich glücklich, den Nachlass Rudolf Schöppers erworben zu haben. Seit Jahren wird an der Erschließung gearbeitet. Derzeit sind Schöppers politische Karikaturen der Jahre 1971 – 1991 vollständig bearbeitet – also genau die Zeit, in der die wichtigsten Ereignisse in den Beziehungen der beiden deutschen Staaten stattfanden. Etwa 3.300 Karikaturen können mittlerweile in den Digitalen Sammlungen der ULB angesehen werden. Es lohnt sich, einmal die einschlägigen Schlagwörter (z.B. Deutschland Vereinigung, Ostpolitik, Deutsch-deutsche Beziehungen, Grundvertrag oder auch die Namen der Protagonisten Kohl, Honecker, Gorbatschow, Brandt u.a.) aufzurufen. Sie werden staunen, welche Fülle von Themen Rudolf Schöpper im Zusammenhang mit dem Verhältnis Bundesrepublik Deutschland – DDR bearbeitet hat … und darüber hinaus.

Klaus Hilgemann