Illustration Quellen
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Recherche nach historischen Quellen

  • Sie suchen nach Texten, aus denen Kenntnisse aus der Vergangenheit gewonnen werden können?
  • Sie haben relevante Quellenhinweise gefunden, können die Abkürzungen aber nicht auflösen?


Auf dieser Seite:

 

Wie suche ich nach Quellen?

Schritt 1:
Ihre Quellenrecherche starten Sie mit der Beschaffung von Grundlagenliteratur, die einen Einstieg in ein Thema geben. In Handbüchern, Lexika und Überblicksdarstellungen finden Sie Hinweise auf relevante Quellensammlungen. Werten Sie hierzu vor allem das Literaturverzeichnis oder die Fußnoten aus. Ziehen Sie auch weitere Handbücher zur Quellenkunde heran, um Quellenverzeichnisse zu ermitteln.

Tipp: Ein schneller Weg zum richtigen Handbuch führt über die Systematik des Lehrbuch-Magazins oder Lesesaals. Wählen Sie zuerst in der Systematik den passenden Eintrag aus, z.B. HIS für Geschichte. Übrigens beginnen viele Titel von Überblicksdarstellungen mit „Einführung in…“, suchen Sie daher unter „Daten filtern“ nach dem Begriff „Einführung“. 

Screenshot Aufstellungssystematik: https://www.ulb.uni-muenster.de/systematiken/lehrbuchmagazin/index.html
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Im Folgenden finden Sie exemplarisch ausgewählte allgemeine Einführungen mit Quellenhinweisen:

  • Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte : Mittelalter. 4., aktualisierte und erw. Aufl. 2014. Stuttgart : Ulmer. ISBN: 978-3-8252-4066-0 
    Signatur: HIS 0:Goe (Lehrbuch-Magazin)
  • Bleicken, Jochen: Oldenbourg-Grundriss der Geschichte. München : R. Oldenbourg Verlag.
    Online (Uni-Netz)
  • Boshof, Egon u.a.: Grundlagen des Studiums der Geschichte. Köln [u.a.] : Böhlau. 5., durchges. Aufl.   1997.- ISBN: 3-412-15296-X
    Signatur: HIS 0:Gru (Lehrbuch-Magazin)
  • Meyer, Gerhard: Wege zur Fachliteratur "Geschichtswissenschaft". München [u.a.] : Saur, 1980.- ISBN: 3-598-02666-8
    Signatur: 59 30721 (2. UG)

    Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE)
    Stellvertretend für Lexika empfehlen wir Ihnen die größte Enzyklopädie zur Antike. Sie enthält u.a. griechische und lateinische Quellen (Zentralbibliothek, Lesesaal: KLA 0.5:21).  Eine Anleitung zur Benutzung des Werks ist im Vorwort des ersten Bandes zu finden.
    1964-1975 entstand der Kleine Pauly (KIP), der eine kürzere und aktualisierte Neuausgabe der RE darstellt (Zentralbibliothek, Lesesaal: KLA 0.5:28).
    Das zentrale Nachschlagewerk der alten Geschichte ist mittlerweile der Neue Pauly (DNP), obwohl er die RE nach wie vor nicht ersetzen kann. Die Artikel wurden erweitert und beziehen nun neben der griechisch-römischen Kultur auch ihre Nachbarvölker mit ein, z.B. Kelten, Slawen (Zentralbibliothek, Lesesaal: KLA 0.5:22).

 

Schritt 2:
Recherchieren Sie auch in großen Quelleneditionen oder Regesten, sodass Sie vorerst nicht mühsam nach einzelnen Quellen recherchieren müssen.

  • Monumenta Germaniae Historica (MGH)
    Gesamtausgabe der mittelalterlichen Quellen zur deutschen Geschichte, die in 5 Abteilungen erscheint (Scriptores = narrative Quellen wie Viten, Chroniken, Annalen, Staatsschriften, Leges = Rechtsquellen und normative Texte,  Diplomata = hauptsächlich Dokumente der fränkischen und deutschen Herrscher, Epistolae = Briefe, Antiquitates = u.a. Gedichte, Nekrologien, Memorialbücher)
  • Regesta Imperii (RI)
    Größtes Quellenwerk zur deutschen und europäischen Geschichte. Die RI verzeichnet eine Zusammenfassung der Königsurkunden von 911 bis 1313 (Zentralbibliothek, Lesesaal: HIS 3.27:36).
  • Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe (FSGH)
    Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte der Neuzeit und zum Mittelalter.
  • Clio-Guide
    Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, das unter anderem Quellen nach Regionen und Epochen zusammenführt.

    Weitere Quellenreihen
    Historisches Seminar - Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte III: Quellentexte zur mittelalterlichen Geschichte. In: Lehrmaterialien Proseminar Mittelalter. Westfälische Wilhelmsuniversität Münster, 2018.

 

Schritt 3:
Nutzen Sie Quellenkunden, um weitere kommentierte Quellenwerke zu Ihrer Epoche oder Ihrem Themengebiet zu ermitteln.

Exemplarisch ausgewählte Quellenkunden:

  • Baumgart, Winfried: Quellenkunde zur deutschen Geschichte der Neuzeit von 1500 bis zur. Paderborn : Ferdinand Schöningh, 2018.- ISBN: 978-3-506-78914-3
    Signatur: 3K 78831 (1. UG)
  • Wattenbach, Wilhelm (u.a.): Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Weimar : Böhlau, 1943
    Signatur: HIS 3.27:30 (Lesesaal)
  • Herre, Paul ; Hofmeister, Adolf: Quellenkunde zur Weltgeschichte : ein Handbuch. Leipzig : Dieterich [u.a.] , 1910
    Signatur: 46 207A (bestellbar)
  • Van Caenegem, R. C. ; Ganshof, F. L.: Kurze Quellenkunde des westeuropäischen Mittelalters. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1964
    Signatur: 3D 19919 (1. UG)

 

Schritt 4:
Quellensammlungen können Sie ergänzend über Bibliothekskataloge recherchieren. Kombinieren Sie Ihren Suchbegriff mit dem Schlagwort Quelle und werten Sie die Trefferliste aus.

Zusätzlich sollten Sie die Suche auch umgekehrt durchführen. Suchen Sie mit dem Titelwort „Quelle*“ (Achtung: Trunkierung nutzen) und ergänzen Sie Ihr Thema als Schlagwort. Häufig lohnt es sich das richtige Schlagwort aus dem Index des ULB Kataloges auszuwählen (Exkurs Thematische Literatursuche mit dem Index). Beispiel:

Screenshot ULB-Katalog Suchmaske
© CC BY 4.0, ULB Münster

Schritt 5:
Sie können auch zusätzlich direkt am Regal nach Quellen suchen. Gehen Sie dazu über die Systematik des  Lehrbuch-Magazins oder des Lesesaals, um die entsprechende Signaturengruppe zu ermitteln. Wählen Sie zuerst den passenden Eintrag aus, z.B. HIS für Geschichte und suchen Sie dann unter „Daten filtern“ nach dem Begriff „Quelle“. Mit einer passenden Signatur können Sie im Lesesaal oder Lehrbuchmagazin direkt ans Regal gehen und links und rechts prüfen, ob weitere relevante Literatur zu finden ist.

 

Wie finde ich digitalisierte Quellen?

Text- und Bildressourcen werden laufend von universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Bibliotheken und Archiven digitalisiert und dadurch für die historische Forschung und Lehre zumeist kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Einen fachlich strukturierten Einstieg bieten der Clio-Guide und historicum.net. Hier werden Ihnen im Abschnitt Digitale Informationsressourcen Volltextportale für einzelne Epochen empfohlen.

Weitere Quellensammlungen verschiedener Fachbereiche können Sie über das Datenbank-Infosystem (DBIS) rechercherieren. Suchen Sie dazu in DBIS einfach nach "Quelle*" oder nutzen Sie die erweiterte Suche, um Ihre Trefferliste auf ein bestimmtes Fach einzugrenzen.

Auch mit Spezialsuchmaschinen, wie z.B. dem KVK, können Sie nach einzelnen digitalen Quellen recherchieren.

 

Was sind Quelleneditionen?

Historische Quellen werden häufig in Archiven aufbewahrt und sind daher schwer zugänglich. Im Studienalltag wird daher der Gebrauch von Quelleneditionen empfohlen. Diese enthalten die eigentliche Quelle in Originalsprache und reichern diese mit zusätzlichen Informationen an. Vor allem frühere Handschriften können durch eine wiederholte Abschrift unbewusste Fehler oder bewusste Korrekturen enthalten. Eine kritische Edition versucht daher die Originalausgabe zu rekonstruieren, indem sie die verschiedenen Versionen vergleicht. Um den Zugang für alle Leserkreise zu erleichtern, wird darüber hinaus eine Übersetzung ergänzt.

Andere sogenannte historisch-kritische Editionen dokumentieren den Entstehungsprozess bzw. die Weiterentwicklung eines Textes. Meist enthalten sie relevante Informationen über den Autor und sein Werk, Textanmerkungen (also Hinweise zu Abweichungen in anderen Versionen), Sachkommentare zu Personen, Orten und Ereignissen im Text, ein Personen-, Orts- und Sachregister sowie abschließend ein Quellen- und Literaturverzeichnis. Mithilfe diesen Anmerkungen können auch Personen mit wenig Kenntnis im Umgang mit Quellen die Werke lesen und verstehen.

Beispiele für Quelleneditionen finden Sie weiter oben unter Schritt 2.

 

Wie lese ich abgekürzte Quellenangaben?

Sie sind über ein Lexikon auf relevante Quellen gestoßen, die Sie für Ihre Arbeit benutzen möchten. Jetzt müssen Sie die zitierten Quellenangaben richtig auflösen, um zur Quelle zu kommen. Je nach Disziplin werden unterschiedliche Abkürzungssysteme verwendet. In der alten Geschichte wird häufig nach dem System des Pauly zitiert, z.B. Verg. Aen., 8, 275. Im Neuen Pauly und Kleinem Pauly ist je im ersten Band eine Werksliste enthalten, die eine Auflösung der Abkürzungen ermöglicht. Digital können Sie diese über Brill online aufrufen:

Ancient Authors and Titles of Work (Brill Online, Zugang nur im Uni-Netz)

Eine freie Alternative bietet Wikipedia:
Abkürzungen antiker Autoren und Werktitel

Verg. Aen., 8, 275 ff. steht zum Beispiel für das 8. Buch von Aeneis, Zeile 275 und folgende, geschrieben von Vergil. Nachdem Sie den Verfasser und Titel der Quelle herausgefunden haben, können Sie direkt im ULB-Katalog oder disco danach suchen.
Auch für weitere Disziplinen gilt, dass Abkürzungsverzeichnisse oft im ersten Band einiger Lexika zu finden sind (z.B. im Lexikon des Mittelalters oder der Theologischen Realenzyklopädie).

Falls Sie selbst Quellen zitieren möchten, prüfen Sie, welche Regelungen an Ihrer Universität bzw. bei Ihrem Dozenten befolgt werden. Eine schöne Übersicht zum Zitieren von Quellen hat bspw. die Universität Trier erstellt: Schriftliche Hausarbeiten im Fach Geschichte

 

Verwendete Literatur

Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte: Mittelalter. 4., aktualisierte und erw. Aufl. 2014. Stuttgart : Ulmer. ISBN: 978-3-8252-4066-0 
Signatur:
HIS 0:Goe (Lehrbuch-Magazin)

Nils Freytag; Wolfgang Piereth (2011): Kursbuch Geschichte : Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. 5., aktualisierte Aufl. 2011. Paderborn : Schöningh. ISBN: 978-3-8252-3548-2
Signatur:
3F 93077 (1. UG)

Hartmann, Martina (2017): Mittelalterliche Geschichte studieren. 4., völlig überarbeitet Auflage   2017. Konstanz : UVK Verlagsgesellschaft mbH.  ISBN: 978-3-8252-4865-9
Signatur: HIS 0:Har (Lehrbuch-Magazin)

Beyer, Burkhard (2018): Einführender Überblick : Was ist eine Edition? In: Praktische Tipps für die Edition landesgeschichtlicher Quellen. Materialien der Historischen Kommission für Westfalen des Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Bd. 15, S. 7 ff.
Online frei verfügbar

Weiterführende Literatur